1984

steirischer herbst ’84

Intendanz
Peter Vujica

Festivaldaten
17.9.–30.10.1984

„Also 1984 und doch nicht ‚1984‘ im steirischen herbst ’84. Jedenfalls ist ein Schwerpunkt des Programms – nach 13 Jahren Pause im steirischen herbst – Architektur. Trotz inzwischen schon jahrzehntelanger Altstadtdiskussionen, Raum- oder Ortsplanungsbemühungen wird diese Ausstellung nicht im sogenannten öffentlichen, bereits bebauten und damit definierten Raum eingerichtet. ‚Architekturvision 1984‘ ist in einem dafür erstmals geöffneten Stollen des Grazer Schloßbergs zu sehen, der in den letzten Kriegsjahren Zigtausende täglich vor Bomben schützte. In Räumlichkeiten also, wo allzu Endzeitbegabte unsere Zukunft enden sehen, sofern sie uns überhaupt gegönnt wird … Der Anfang einer Vision hat seinen Ausgangspunkt am Ende einer bösen Ahnung.“ 
—Herbert Nichols

1984 betonte der steirische herbst erstmals seine Internationalität mit der englischen Übersetzung seines Namens als „styrian autumn“ in einem zweisprachigen Faltblatt, das das gebundene Programmheft ergänzte. Im Orwell-Jahr musste nicht lange nach einem Leitmotiv gesucht werden – mit der Jahreszahl ergab sich dieses von allein.

So eröffnete das Programm mit dem Konzert A Farewell to Orwell – „eine zeitgenössische Klangorganisation für Jazzmusiker, akustische Instrumente und elektronische Maschinen“ (Zitat des Komponisten Erich Kleinschuster im Programmheft) – als Auftragsarbeit des steirischen herbst im Stefaniensaal, gefolgt von Maurizio Kagels „szenische Aufführung eines Hörspiels in germanischer Metasprache“ … nach einer Lektüre von Orwell, aufgeführt vom Ensemble des Bremer Theaters im Saal Steiermark des Grazer Congress. Im ehemaligen Schlachthof wurde das interdisziplinäre Format falso loco als open house- und herbstpark-Nachfolger mit Cross-over und Spezialprogrammen eingeläutet, das jedoch keine Fortsetzung fand.

In der Sparte Theater gab es Uraufführungen von G.M. Hoffmanns Blasius (Regie: Wolfgang Bauer) und Luna Alcalays Ich bin in Sehnsucht eingehüllt – szenische Reflexionen zu Liebesgedichten aus dem Lager Michailowka von Selma Meerbaum. musikprotokoll und Musiksymposion widmeten sich einer Personale von György Ligeti, der seit dem ersten Jahr ein fester Bestandteil des Programms war. Zum ersten Mal gab es eine eigene Sparte für Architektur – darunter etwa die Ausstellung Architekturvisionen 1984 (Konzept: Sokratis Dimitriou) in einem Luftschutzstollen im Schloßberg. Im Künstlerhaus und in der Neuen Galerie wurde Märchen – Mythen – Monster. Modell Trinidas (Konzept: Wilfried Skreiner) mit Künstler:innen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Schweiz und Österreich gezeigt.

Programm

eröffnung

falso loco

architektur

theater

ausstellungen

film

symposien

Festivaleröffnung

17.09., 17:00
Grazer Congress
Eröffnung: Erich Kleinschuster: A Farewell to Orwell
Mauricio Kagel (BRD): …nach einer Lektüre von Orwell

Veranstaltungsorte

Annenhofkino, Rechbauerkino, Forum Stadtpark

Aula des Bundesrealgymnasiums Mürzzuschlag

Aula des Bundesschulzentrums, Mürzzuschlag

BRG Modellschule, VS Jahngasse Gleisdorf

Bundesschulzentrum

Cinema

Dom, Graz

Ehemaliger Schlachthof

Erzberg

Forum Stadtpark

Funkhaus-Galerie

Galerie Bleich-Rossi

Galerie Droschl

Galerie K

Galerie Moser

Galerie Steirische Moderne in der Fabrik

Gasthof Zum weißen Rößl, Mürzzuschlag

Girardibühne des Opernhauses

Grazer Congress

Haus der Jugend

Hotel Post, Kindberg

Joanneum, Ecksaal

Kammermusiksaal (Grazer Kongress)

Koralmhalle

Kulturhaus Graz

Künstlerhaus, Neue Galerie Graz

Luftschutzstollen im Schloßberg, stadtmuseumgraz

Malersaal

Minoriten-Galerien Graz

Musikschule Deutschlandsberg

ORF-Landesstudio

Obstbaufachschule

Palais Saurau

Rathaussaal Mürzzuschlag

Refektorium des Münsters

Römisch-katholische Pfarrkirche, Krieglach

Schauspielhaus Graz

Stefaniensaal (Grazer Kongress)

Stiegenkirche

Theatercafe

Universität Graz

VÖEST - Alpine - AG, Werk Krieglach

Publikationen

Programmbuch des steirischen herbst 1984: Generalsekretariat, steirischer herbst ’84 (Graz: 1984)

Alexander Pühringer und Nikolaus Hellmayr (Hg.), NOEMA. Kunst + Kritik Nr. 1 (Salzburg – Wien: 1984)

steirischer herbst, Architekturvision 1984. Skizzenbuch (Graz: 1984)

Retrospektive
Retrospektive
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