Jan Peter Hammer
Noreia (2024)

Auftragswerk

Daten
20.9.2024–16.2.2025

Details
4K-Video, Stereoton, ca. 55 min

Ort
Neue Galerie Graz, Graz

Teil von
Horror Patriae: Ausstellung

Produktionsangaben
In Auftrag gegeben und produziert von steirischer herbst ʼ24

Jan Peter Hammer hat für seinen Film ein kleines steirisches Dorf besucht, das 1930 in Noreia umbenannt wurde. Landesarchäologe Walter Schmid behauptete damals, dort hätte sich die gleichnamige keltische Hauptstadt befunden, in deren Nähe auch eine berühmte Schlacht zwischen Römern und Germanen stattfand. In völkischen Kreisen erregte Schmids Entdeckung große Aufmerksamkeit. Begeisterte Dorfbewohner:innen halfen ihm bei den Ausgrabungen und rekonstruierten schließlich das „Königshaus“. Als es in den 1980er-Jahren zu verfallen drohte, gründeten Ortsansässige einen Verein zum Erhalt der Anlage. In der Fachwelt waren Schmids Ansichten jedoch längst widerlegt.

Der Film porträtiert den Vereinsobmann und stellt mit Mitgliedern historische Szenen nach. Außerdem kommen Expert:innen zu Wort, die von der antiken Provinz Noricum, ihrer Waffenproduktion und ihrer geheimnisvollen Religion erzählen. Hammer konzentriert sich darauf, wie sich der Mythos der verlorenen Stadt in einer Atmosphäre von Deutschnationalismus und steirischem Patriotismus entwickelte. Und er zeichnet nach, wie sich seine Bedeutung im Laufe der Zeit veränderte – vom Traum einer unimperialistischen norischen Republik, den der letzte habsburgische Ministerpräsident hegte, hin zu neueren, ultranationalistischen Fantasien.

Retrospektive
Retrospektive
Retrospektive