1999

steirischer herbst ’99

Intendanz
Christine Frisinghelli

Festivaldaten
25.9.–24.10.1999

Kuratorisches Team
Alexandra Foitl, Sabine Himmelsbach / Daniela Olotu-Goettfried, Peter Peer

Ruth Kümmel: netz_bedingung/net_condition. Ausstellung und Katalog Kunst und globale Medien

Sabine Achleitner: Re-Make/Re-Model, Van Dyke Parks

Martina Grohmann: mundräume.sendeflächen, Zur Physik der Kunst

Michael Sammer: Das Verlobungsfest im Feenreiche

Astrid Andrä, Karin Perchthaler: Projektassistenz

„Die Auseinandersetzung mit verdrängten hegemonialen Ansprüchen und Komplizenschaften der Moderne, die schwierige Frage nach dem Umgang mit dem Anderen und den Vereinnahmungen und Ausgrenzung des Minoritären, die Entstehung hybrider Identitäten und die Verstörungen des Körpers, das Nachdenken über das Kunstwerk als arbeitsteiliges Produkt und über die Bedingungen seiner Herstellung. KünstlerInnen, deren Arbeiten während dieser Jahre den Kern und Anlaß zu dieser notwendigen Reorientierung bildeten, haben vor allem eines gezeigt: Die Parameter künstlerischen Ausdrucks müssen in Abhängigkeit von ihren Umständen immer neu erfunden werden.“ 
„Das Profil des steirischen herbst, dieses stets neu zu knüpfende Netzwerk, konnte sich nur dadurch entwickeln, daß das Festival mit seiner eigenen prekären Autonomie für die fragile und flüchtige Existenz künstlerischer Arbeit einstand. Die gegenseitige Wertschätzung der beteiligten KünstlerInnen, ProduzentInnen und Institutionen ist dafür eine unabdingbare Voraussetzung. Das sind auf ihre Art Netzbedingungen, die ein Programm ermöglichen, das Komplexität als Qualität setzt, dem Druck der Kulturindustrie intelligent Paroli bietet und an dem noch nicht in seiner historischen Bedeutung Festgelegten mitschreibt. Ein zeitgenössisches Publikum, das darauf besteht, die Werke mitzukonstruieren (also in diesem Sinne ‚netzfähig‘ ist) hat Anspruch auf mehr als einfache Wahrheiten und vorfabrizierte Erlebnisse. Die stehen allein im Interesse der Massenmedien und der Politik.“ 
—Christine Frisinghelli

Der vorletzte steirische herbst im 20. Jahrhundert und der letzte unter der Intendanz von Christine Frisinghelli setzte die aktuelle Netzkunst und die avantgardistischen Wurzeln des Festivals in den Mittelpunkt. Peter Weibel untersuchte in der Ausstellung netz-bedingung die Voraussetzungen, denen Medien, Kommunikation und Ökonomien durch das elektronische Netz unterworfen wurden. Christoph Gurks Projekt Re-Make / Re-Model. Secret Histories of Art, Pop, Life, and the Avant-Garde knüpfte derweil an frühere Veranstaltungen des Festivals an. Hier zeigte sich ein neues Interesse von Künstler:innen und Theoretiker:innen an dem lange diskreditierten Begriff der Avantgarde ebenso wie an den Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen „minderheitlicher“ Ausdrucksformen und ihrer Verbindung zur Performancekunst.

Darunter fielen etwa: eine erste komplette Retrospektive der restaurierten Filme von Jack Smith im Schubertkino; Dub Housing, eine Soundinstallation und Fotoausstellung über Afrofuturismus und afrodiasporische Popkulturen aus London in der Camera Austria; das Projekt Billowy Sleeves aus Chicago; und die Sequenz Cross Gender / Cross Genre der Arbeitsgruppe Berlin im Palais Attems, die die Periode zwischen 1966 und 1974 beleuchtete und in deren Rahmen Mike Kelley einen gleichnamigen Vortrag als Teil seiner Videoinstallation Unisex Love Nest hielt. Dazu gab es ein Symposion mit Douglas Crimp, Terre Thaemlitz, Ultra-red, Mike Kelley und anderen.

Von Ulrike Ottinger stammten Inszenierung und Bühnenbild für Johann Nestroys Zauberposse Das Verlobungsfest im Feenreiche im Thalia-Theater, und William Kentridge kehrte nach seiner Teilnahme an Peter Weibels Inklusion : Exklusion von 1996 mit einer Einzelausstellung in der Neuen Galerie nach Graz zurück. Zu den geheimen Sensationen des steirischen herbst ’99 zählte auch das Eröffnungskonzert vom „genialischen Eklektiker und Wunderkind der Popmusik“ (Programmheft) Van Dyke Parks in der Kasemattenbühne.

Programm

Textur

Kunst und globale Medien

Re-Make/Re-Model

mundräume.sendeflächen

Norbert Brunner, Michael Schuster

Friedl Kubelka / Gerhardt Moswitzer

Soo-Ja Kim / Jeannette Christensen

Festivaleröffnung

25.9.
Kasematten Schlossbergbühne
Eröffnung des steirischen herbst 99
Van Dyke Parks - Van Dyke Parks (electric piano, vocals), Grant Geissmann (guitar), Leland Sklat (bass)

Veranstaltungsorte

AVL ART GATE, Schmiedgasse 36

Burg Oberkapfenberg

Böhler Gmbh. Mürzzuschlag

CCW, Cultur Centrum Wolkenstein, Stainach

Camera Austria

Edlacherhof, Mürzzuschlag

Galerie & Edition Artelier

Galerie Bleich-Rossi

Galerie Lendl

Galerie Schafschetzy

Grazer Congress

Grazer Kunstverein

ICC; Tokio

Kammermusiksaal (Grazer Kongress)

Kasematten

Kulturhaus Graz

Kulturstock 3, Pischelsdorf

Kulturzentrum Kapfenberg

Kulturzentrum bei den Minoriten

Kunsthalle Feldbach

Kunsthaus Mürzzuschlag

Künstlerhaus

Laßnitzhaus, Deutschlandsberg

Mecad, Barcelona

Musikschule Deutschlandsberg

Neue Galerie Graz

Oper Graz

Palais Attems

Palais Meran

Parkplatz Siemensstraße, Deutschlandsberg

Rasthaus Puntschuh, Pischelsdorf

Raum für Kunst, Peinlichgasse

Saal Steiermark (Grazer Congress)

Schubertkino

Shopping Center West

Stefaniensaal (Grazer Kongress)

Thalia

Theatro

ZKM, Karlsruhe

stadtmuseumgraz

studio ki, Burggasse 9

Publikationen

Programmbuch des steirischen herbst 1999: steirischer herbst Veranstaltungsges.m.b.H., steirischer herbst 99 (Graz: steirischer herbst Veranstaltungsges.m.b.H., 1999)

→  Hier erhältlich

steirischer herbst Veranstaltungsges.m.b.H., mundräume. Sendeflächen. Dichtung aus den 90ern (Graz: steirischer herbst Veranstaltungsges.m.b.H., 1999)

Retrospektive
Retrospektive
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