1997

steirischer herbst ’97
Körper in Gesellschaft

Intendanz
Christine Frisinghelli

Festivaldaten
25.9.–31.10.1997

Kuratorisches Team
Brigitte Bidovec: Assistenz der Geschäftsführung, Theaterprojekte, Sponsoring, Vermittlung

Sabine Reisner: Organsationsleitung, Werbung, Projekte "Players - TwiLiteZone", R. Dahinden S. LeWitt "collaboration"

Sabine Himmelsbach: Ausstellung "Zonen der Ver-störung" und Vortragsprogramm

Alexandra Foitl: Katalog "Zonen der Ver-störung"

Inge Amschl: Projekte "Endoscape Technoscope", "on dis/place/ment"

„Nicht vorwiegend in der Sphäre der Rezeption (wie Adorno sagt) wird das Verhältnis der Kunst zur Gesellschaft aufgesucht, sondern in der Produktion. Ein Schwerpunkt des steirischen herbst 97 liegt auf Projekten, die speziell für das Festival entstehen: Das Festival kann so – nicht nur im Theater- und Musikbereich, sondern verstärkt auch in der bildenden und Medienkunst – als Produktionsort sichtbar werden.“ 
„Festivals sind gekennzeichnet durch zeitliche und örtliche Einheit: Ihre Ereignishaftigkeit verlangt – wenn wir unsere Arbeit als kollaborativen und offenen Prozeß auffassen – die Verteidigung eines Begriffs des Ereignisses, des gerade nicht medial vermittelbar ist: ‚Ein Ereignis zeichnet sich durch Dauer aus, es ist nicht zu trennen von toter Zeit … Wir sind Zuschauer von etwas, das sehr lange in der Schwebe bleibt, das noch nicht ist. Nicht die Medien können das Ereignis erfassen, sondern die Kunst kann es … (hier) liegt die tote Zeit gerade nicht zwischen zwei Ereignissen, sie liegt im Ereignis selbst, sie macht seine Dichte aus.‘ (G. Deleuze)“
—Christine Frisinghelli

In ihrem Vorwort zum steirischen herbst ’97 Programmheft betonte Christine Frisinghelli die Bedeutung des Festivals als Produktionsstätte – nicht nur im Theater- und Musikbereich, wo Auftragsarbeiten seit den Siebzigerjahren eine Rolle gespielt hatten, sondern auch in der bildenden und in der Medienkunst. Roland Dahinden und Sol LeWitt schufen mit collaboration eine ortsspezifische Gemeinschaftsarbeit für den zylindrischen Kuppelsaal des Joanneums, und im Theatro in der Sackstraße wurde Players – TwiLite Zone uraufgeführt, eine Performance und interaktive Installation für zwei Schachspielerinnen, drei Flipperspieler und drei Instrumentalisten nach einem Text von Ernst Strouhal.

Die Künstlerkollektive Granular Synthesis und Knowbotic Research schufen für den herbst aufgeladene und für Partizipation offene Ereignis- und Erfahrungsräume. Die Ausstellung Zonen der Ver-Störung, kuratiert von Silvia Eiblmayr, widmete sich dem Phänomen der Verschränkung aktiver Störung und reaktiver Verstörung, während Endoscape Technoscope das Verhältnis von Techno und Medienkunst untersuchte. 

Im Café Harrach als temporärer Außenstation wurden unter dem Titel Retina – Netzhaut Rauminstallationen von drei Künstler:innen gezeigt, die das Auge als Schnittstelle des Computerbildschirms und des Gehirns (nach Baudrillard) betrachteten. Martin Kippenberger und Jörg Schlick inszenierten im Palais Attems die gemeinsame Ausstellung Martin – von Kippenberger stammte auch das Plakat, das ein überdimensionales Ei auf der Tragfläche eines Kleintransporters in einer Schneelandschaft zeigt (auf dem Cover zum Programmheft sieht man den Künstler selbst im Fahrerhäuschen sitzen).

Programm

Hannes Priesch

Zonen der Ver-Störung

Endoscape Technoscope

Roland Dahinden Sol LeWitt

Adriana Hölszky

Caryl Churchill

Jurij Mamlejew

on dis/place/ment

Sex & Space II

Yoko Tawada

borderlines

Claude Cahun

2000 minus 3

Festivaleröffnung

27.09., 17:30
Marieninstitut 
Eröffnung des 30. steirischen herbst

18:30
Zonen der Ver-Störung Zones of Disturbance

19:30 und 20:30
Video 1997, Richard Hoeckl (A), Pat Hearn (USA), Franz Pomassl (A), Bernhard Riff (A), Hans Weigand (A), Heimo Zobernig (A)

Veranstaltungsorte

Bundesschulzentrum

Burg Oberkapfenberg

CCW, Cultur Centrum Wolkenstein, Stainach

Café Harrach

Forum Stadtpark

Galerie Bleich-Rossi

Galerie Eugen Lendl

Galerie Schafschetzy

Grazer Congress

Grazer Stadtgebiet

Griesgasse 24

Grieskai 74

Hauptplatz, Hauptbahnhof

Hotel Böhlerstern, Kapfenberg

Kammermusiksaal (Grazer Kongress)

Kulturhaus Graz

Kulturstock 3, Pischelsdorf

Kunsthaus Mürzzuschlag

Künstlerhaus, Priesterseminar, Studio NG, Kastner & Öhler

Landesmuseum Joanneum

Laßnitzhaus, Deutschlandsberg

Lendkai 83

Marieninstitut, Kirchengasse 1

Musikschule Deutschlandsberg

Neue Galerie Graz

Palais Attems

Palais Meran

Reininghaus

Reiterhof Hollerberg / Guglzipf, Pischelsdorf

Saal Steiermark (Grazer Congress)

Schauspielhaus Graz

Schloss Farrach bei Zeltweg

Skate-Park Deutschlandsberg

Stefaniensaal (Grazer Kongress)

Telekommunikationszentrum der PTA

Thalia

Theatro

Werkstadt Graz

Publikationen

Programmbuch des steirischen herbst 1997: steirischer herbst Veranstaltungsges.m.b.H., steirischer herbst 97 (Graz: steirischer herbst Veranstaltungsges.m.b.H., 1997)

Peter Weibel, Inklusion :  Exklusion. Versuch einer neuen Kartografie der  Kunst im Zeitalter von Postkolonialismus und globaler Migration (Köln: Dumont Buchverlag, 1997)

Forum Stadtpark und steirischer herbst, Sex and Space II (Graz: steirischer herbst Veranstaltungsges.m.b.H., 1997)

Silvia Eiblmayr (Hg.), Zonen der Ver-Störung (Graz.: Steirischer Herbst Veranstaltungsges.m.b.H., 1997)

→  Hier erhältlich

Werner Fenz, 2000 - 3. Artspace plus interface. Zwanzig internationale KünstlerInnen im Raum (Wien: Triton Verlag, 1997)

Peter Weibel, Slavoj Žižek (Hg.), Inklusion : Exklusion, Probleme des Postkolonialismus und der globalen Migration (Wien: Passagen Verlag, 1997)

steirischer herbst, Roland Dahinden Sol LeWitt. Collaboration sound sculpture wall drawing (Wien: Extraplatte Musik- und Verlags GmbH, 1997)

Retrospektive
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