1995

steirischer herbst ’95
Die Kunst ist aus das Spiel geht weiter

Intendanz
Horst Gerhard Haberl

Festivaldaten
29.9.–22.10.1995

Kuratorisches Team
Wissenschaftlicher Beirat: Peter Strasser

„Das Begriffsdesign eines Nomadismus hat nur peripher mit den weltweiten Fluchtbewegungen zu tun. Vielmehr werden neue Gesichtspunkte einer geistigen Mobilität, einer gelebten Interdisziplinarität, einer „nomadisierenden Sensibilität“ (Peter Strasser) aufgegriffen, die einerseits den gesellschaftspolitischen Kontext des gegenwärtigen Kunst- und Kulturverhaltens reflektieren, andererseits wider die Entweder-Oder-Fixiertheit scheinbar disparater Disziplinen in Kunst, Wissenschaft, Technologie, Politologie etc. gerichtet sind. 
Vilém Flusser sah die Aufgabenstellung für die Zukunft in der Koordination von Kompetenzen, im Er-Fahren von Möglichkeitsfeldern. Dieses nomadische Prinzip hat der steirische herbst für die erste Hälfte der Neunziger zu seinem Credo gemacht: ‚Die Kunst ist aus, das Spiel geht weiter. Das Spiel ist aus, die Kunst geht weiter.‘“ 
—Horst Gerhard Haberl

Mit dem vielsagend resümierenden Leitmotiv Die Kunst ist aus, das Spiel geht weiter. Das Spiel ist aus, die Kunst geht weiter endete Haberls Intendanz 1995. Zwei Jahre zuvor hatte er mit Peter Strasser ein Konzept für eine inhaltliche Neubegründung des steirischen herbst erstellt, das im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau eines Kunsthauses in Graz stand und auf der Erkenntnis beruhte, dass „der begrenzte Zeitraum eines Festivals nicht ausreicht, um zukunftsorientierte ästhetische Problemstellungen oder entsprechende interdisziplinäre Forschungsobjekte vorzustellen und lesbar zu machen“. Das Konzept scheiterte jedoch laut Haberl am parteipolitischen Pragmatismus auf Landesebene.

Der steirische herbst ’95 eröffnete im Thalia-Theater mit der Festrede „Kunst und Spiel im Todestrakt“ von Jan Arriens, gefolgt von den Uraufführungen von Bodo Hells Herr im Schlaf – laut Untertitel ein „Griff ins emblematische Alltagstheater“ – und Connie Beckleys Musikstück The Aquarium. Ein weiteres Auftragswerk war Christoph Schlingensiefs Theaterprojekt Hurra, Jesus! Ein Hochkampf im Schauspielhaus – laut Theaterkritiker Wolfgang Kralicek der „lustigste Abend, den [er] beim herbst je erlebt [hat]“.[footnote Wolfgang Kralicek, „Das Beste aus 51 Nächten“, in herbstbuch. 1968–2017, hg. Martin Behr et al. (Wien: Styria, 2017), S. 105.]

Im Rahmen des musikprotokoll ’95 wurden unter dem Thema Das Rauschen ein Dutzend Konzerte aufgeführt sowie künstlerische Arbeiten von Peter Ablinger und Alvin Lucier in der Neuen Galerie gezeigt. Die Eventreihe „Echtzeit“, die sich der Jugend- und Subkultur widmete, zeigte unter anderem eine Performance von Stelarc, Konzerte von Krab (La Fura dels Baus) und Les Tambours du Bronx sowie einen Hip-Hop-Jam. Zu den zahlreichen Sonderprojekten zählte die Arbeitsgruppe „Projekte Architektur“ mit einem internationalen Wettbewerb. Mit dem Ende von Haberls Intendanz fand auch die trigon-Biennale mit Peter Weibels Ausstellung Quasi per Gioco – Das Spiel in der Kunst, die auf Italien fokussierte, zum letzten Mal statt.

Programm

Eröffnung

Theater / Musik / Events

Projekte / Architektur

Projekte

Ausstellungen

Symposien

Out of Graz

Festivaleröffnung

29.09., 17 Uhr
Thalia
Eröffnung: Kunst und Spiel im Todestrakt
Festrede von Jan Arriens (GB)

19 Uhr
Bodo Hell Herr im Schlaf (UA), Ein Griff ins emblematische Alltagstheater 

22 Uhr
Connie Beckley The Aquarium (UA), Ein Stück für zwei Soprane, Flöte Klarinette, Baßklarinette und zwei elektronische Keybords

Veranstaltungsorte

Appel-Hof, Mürzsteg

Bayrisches Staatsschauspiel/Marstall

CCW, Cultur Centrum Wolkenstein, Stainach

China Restaurant Asia, Graz

Ehemaliges Inkaland, Jakoministraße 16

Finanzamt Graz

Forum Stadtpark

Galerie Dobida, Weiz, Südtirolerplatz, Weiz, Weberhaus, Weiz, Cafe Sonne, Hartberg, Kulturstock 3, Pischelsdorf

Galerie Eugen Lendl

Grazer Congress

Grazer Congress, Neue Galerie Graz

Grazer Stadtgebiet

Hauptbrücke, Graz

Hotel Weitzer

Jugendgästehaus Graz

Kammermusiksaal (Grazer Kongress)

Kirche St. Jakob, Krieglach

Kulturhaus Graz

Kunsthaus Mürzzuschlag

Künstlerhaus

Laßnitzhaus, Deutschlandsberg

Lechnerhaus, Südtirolerplatz 2

Lechnerhaus, Südtirolerplatz 2, HDA - Haus der Architektur Graz

Lichtschwert

Musikschule Deutschlandsberg

Neue Galerie Graz

ORF-Landesstudio

Palais Meran

Palais Saurau

Raum für Kunst, Peinlichgasse

Saal Steiermark (Grazer Congress)

Saal der Volksschule, Spital am Semmering

Schauspielhaus Graz

Schloss Lind

Stefaniensaal (Grazer Kongress)

Stiegenkirche

Teppichgalerie Reinisch

Thalia

Tröpferlbad, Augarten

Universität Graz

Volkshaus Kindberg

Volkshaus, Wartberg, Kunsthaus Mürzzuschlag

Werkstadt Graz

ehem. Fleischerei, Griesgasse 30

Publikationen

Programmbuch des steirischen herbst 1995: steirischer herbst Veranstaltungsges.m.b.H., steirischer herbst ’95 (Art is over, the Game goes on) (Graz: steirischer herbst Veranstaltungsges.m.b.H., 1995)

→  Hier erhältlich

Horst Gerhard Haberl (Hg.), Nomadologie der Neunziger. Steirischer Herbst Graz 1990 bis 1995 (Stuttgart: Cantz, 1995)

Haus der Architektur und steirischer herbst, Das letzte Haus - The last House (Ostfildern: Verlag Gerd Hatje, 1995)

Fedo Ortl, steirischer herbst, Death Row (Graz: 1995)

Chiara Bertola für die Gesellschaft der Freunde der Neuen Galerie Graz und AR/GE KUNST Galerie Museum Bozen, Quasi per gioco/Sas Spiel in der Kunst. Trigon (Mailand: A&Mbookstore: 1995) 

Retrospektive
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