Bleiben oder gehen / Staying or leaving

      08.10.2004 - 28.11.2004

      Projekttitel
      Bleiben oder gehen / Staying or leaving
      Genre
      Bildende Kunst
      Art des Projekts
      Ausstellung
      Produktionsangaben

      Koproduktion steirischer herbst, Camera Austria

      Details

      Eröffnung:

      8.10.2004

      herbst-Parcours 9. und 24.10.2004

      Location
      Camera Austria
      Ort
      Graz
      Beschreibung deutsch

      „Bleiben oder gehen“ – die Frage stellt sich vor dem Hintergrund einer sich ständig neu ordnenden Welt, in der sich Migration nicht länger nur als Phänomen einer durch politische Krisen oder wirtschaftliche Notwendigkeit verursachten Flucht zeigt, sondern zu einer Konstante der Frage nach Identitäten, zu einer Form der permanenten Vermessung und Auslotung des kulturellen Territoriums geworden ist.

      Bleiben oder gehen bringt acht künstlerische Projekte für die Dauer dieser Ausstellung in einen temporären Zusammenhang: Für die in der Ausstellung vertretenen KünstlerInnen sind der Blick auf Möglichkeiten und Entwürfe gesellschaftlichen Zusammenlebens, auf Konzepte und Utopien von Zugehörigkeit, auf Erfahrungen von Entwurzelung und Gefährdung sowie deren politisch oder ökonomisch motivierte Bedingungen zentrales Thema ihrer Arbeit und konkreter Ausgangspunkt ihrer Projekte. Sie bilden Prozesse ab, in denen Lebensraum – privater oder gemeinschaftlicher, permanenter oder zeitweiliger – verhandelt wird, und nehmen Bezug auf sehr spezifische geographische, historische und soziale Situationen, und lassen sich auch als strategische Navigation durch kulturelle Landschaften begreifen.

      Landschaften, Bauwerke und Lebenssituationen – faktischer Gegenstand dieser Arbeiten – bilden ein Panorama, in dem die Konfliktzonen unserer und derjenigen der vergangenen Generationen aufeinander treffen: Die kolonialen Machtkämpfe, die das vergangene Jahrhundert geprägt haben, das Scheitern sozialer Utopien ebenso wie die „Internationalisierung der Menschen und Kulturen“, die im Post-Sozialismus und Spätkapitalismus gleichermaßen begründet liegen. In den Projekten von Bleiben oder gehen liegen diese Konflikte offen, oder lagern nur dürftig kaschiert unter einer dünnen Schicht des Vertrauten.

      Es handelt sich hier nicht um Reiseberichte, in denen das in der Fremde Gesehene und Erlebte beschrieben wird – im Gegenteil: hier richtet sich der Blick auf Orte und Situationen im eigenen Lebensbereich, wo Bruchlinien individueller, kultureller und geographischer Zugehörigkeit beobachtet werden, an denen Geschichten entstehen, gesellschaftliches Selbstverständnis sichtbar wird.

      Beschreibung englisch

      ”Staying or leaving“ – the question arises against the backdrop of a world that is constantly reorganising, in which migration no longer appears only as a phenomenon of flight caused by political or economical necessity, but has come to be a constant in the question of identities, a form of permanent surveying and exploration of the cultural territory.

      Staying or leaving puts eight artistic projects into a temporary context within the framework for the duration of the exhibition: for the artists featured at the exhibition, the key theme of their work and point of departure for their projects is to explore possibilities and drafts of social coexistence, concepts and utopias of belonging, experiences of uprooting and endangerment, and their politically or economically motivated conditions. They describe processes in which living space – private or communal, permanent or temporary – is negotiated, and they refer to very specific geographical, historical and social situations and may be seen as strategic navigation through cultural landscapes. Landscapes, buildings and situations in life – the factual object of these works – form a panorama in which the conflict zones of our generations and of generations past coincide: the colonial struggles for power that characterised the past century, the failure of social utopias and the ”internationalisation of people and cultures“ that are founded equally in post-socialism and late capitalism. In the Staying or leaving projects, these conflicts are manifest or lie, barely concealed, below a thin layer of the familiar.

      So these are not accounts of journeys describing what someone has seen and experienced in foreign lands – on the contrary: here the focus is on places and situations in one's own area of life, where we observe rupture lines of individual, cultural and geographical belonging, lines along which stories evolve and social self-conception becomes visible.

      Beteiligte Jahr